Hilfe auch für das 'Aussätzigen Dorf'

Lieber Herr Bidmon,
das Abenteuer ist zu einem guten Ende gekommen. Alle Lebensmittel sind sicher verteilt worden, ohne dass es zu irgendwelchen Schwierigkeiten gekommen ist.
Das letzte was besonders eindrucksvoll. Eine Hüttenansammlung einer Anzahl von Leibeigenen in Sindh, die unter dem Verdacht der Lepra standen und deshalb von allen gemieden wurden. Drei Großfamilien, und selbst die 5 jährigen hatten schon tiefe Fußgeschwüre.

Sie sagten, die Krankheit befiele seit 25 Jahren jeden, der im Dorfe lebt, und seither heißen sie das „Aussätzigen Dorf“. Und keiner würde sie besuchen, und keiner um die Hand ihrer Kinder anhalten.

Wir hatten den Wagen voller Lebensmittel, genügend, das ganze Dorf für 3 Monate zu versorgen. Die Bevölkerung war so unterernährt, die Kinder so hungrig – wir hatten Butterbrote mit und teilten sie unter den Kindern aus - .

Am unvergessensten ist mir eine ausgemergelte Frau, Mitte 50, barfüßig wie sie alle, fliegenumschwärmt, in ihrem verschlissenen Schalwal Khamis. Ich hatte mir schon überlegt, wer denn den Mehlsack zu ihrer Hütte tragen würde, als sie kam, ein erwartungsvolles Lächeln auf ihren Lippen, zwei Männer schwangen ihr den schweren Mehlsack auf die Schultern, und sie setzte sich ein wenig unsicher, aber strahlend in Richtung ihrer Hütte in Bewegung, nicht ohne vorher noch das Paket Hülsenfrüchte auch noch aufgelesen zu haben -.

Und dann die Kinder, nachdem wir sie einmal stationär aufgenommen hatten. Sie aßen alles, in kürzester Zeit, was wir ihnen vorsetzten. Jetzt geht es ihnen allen schon besser,  mit drei regelmäßigen Mahlzeiten am Tage (und was man sonst noch zwischendurch so snacked!).

Wir sind noch dabei herauszufinden, was neben der Unterernährung sonst noch so alles eine Rolle gespielt hat, dass das Dorf so krank ist: tiefe Geschwüre an Händen und Füssen (weshalb sie als Aussätzige angesehen worden sind), Erblindung, Blutarmut (2gm% Hämoglobin!,  ich weiß nicht, wie die Frauen noch am Leben sind!) Im Moment testen wir das Trinkwasser für Blei und  Arsenic. Seit 25 Jahren erkranken die Menschen an diesen Symptomen, und weil sie Leibeigene sind, hat sich noch niemand darum gekümmert, die Ursache einmal herauszufinden und abzustellen!

Aber das erste, was wir tun mussten, war: ihnen Lebensmittel zur Verfügung zu stellen! Und das haben wir mit Ihrer Hilfe tun können.
Mit herzlichem Dank an alle Freunde in Leipzig,
Ihre Ruth Pfau

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